Gleiswechsel
Der Verbindungs-Podcast

Folge 3 - Richtung Süden

 

Christian Silberhorn: „Ja, wir kommen jetzt zum Henry-Wetjen-Platz, im Kreuzungsbereich Hauptstraße, Leester Straße. Das ist die Hauptverbindungsachsen Ost/ West durch gesamt Weyhe durch.”

 

Julia/Anja: „Aber auch hier haben wir wieder so einen kleinen wundervollen – man hört es vielleicht, ich schlurfe wieder ein bisschen – einen kleinen Seitenweg, der sofort ein bisschen Ruhe gibt in all diesem Gequirle.”

 

Christian Silberhorn: „Nicht unbedingt Ruhe, aber Ruhebänke zumindest. Die sind auch aus diesem Grunde entstanden, dass wir hier weiter im Süden eine Senioren-Siedlung haben. Und die Senioren brauchen, wenn sie vom Einkaufen kommen, solche Trittsteine, wo sie sich dann mal hinsetzen können.“

 

Julia/Anja: „Aber nicht nur die Senioren. Wir sehen hier gerade – wir sehen es, die Hörenden natürlich nicht – aber hier sitzt ein nicht so alter Mensch. Um nicht zu sagen ein Jugendlicher auf der Bank. Also auch die Jüngeren mögen zwischendurch sitzen.

So, wir queren große Hauptstraße. Mit Hilfe einer Bedarfsampel. Schauen schon mal auf die Kirche und den Henry-Wetjen-Platz.“

 

Christian Silberhorn: „Wir stehen jetzt hier am – ehemaligen Henry-Wetjen-Platz muss man vielleicht sagen – was im Wesentlichen ein Henry-Wetjen-Parkplatz war. Wir werden das ganze Gelände hier deutlich umbauen und aufwerten. Wir haben nur abgewartet, bis unser Bibliotheks-Neubau fertig war.

Wir gehen noch ein Stück. Die Wege-Verbindung geht dann auch künftig weiter über den Henry-Wetjen-Platz. Das ist dann das südliche Ende vom Sanierungsgebiet. Und so kann man sagen, sind wir jetzt einmal quer durch.“

Wir stehen jetzt vor der Alten Wache; das ist ein altes Behördenhaus. Tatsächlich war da auch mal die Polizei untergebracht. Deswegen gibt es den Namen. Hier ist eine Haltestelle vom Bürgerbus. Das ist die mit den meisten Ein- und Aussteigern.

Und was ihnen zeigen wollte – dann wird das langsam verständlich vielleicht: Hier standen zwei Häuser, eins davon war ein alter Bauernhof von 1835. Nicht mehr als Bauernhof genutzt, sondern die letzten 40 Jahre war dort im Erdgeschoss ein Frisörsalon.

Das, was Sie hier sehen, ist ein Neubau.

Die Kubatur, die Größe und Form, entspricht diesem alten Bauernhaus. Warum haben wir das alte Bauernhaus nicht stehen lassen können? Weil es für ein öffentliches Gebäude aus Brandschutzgründen und aus statischen Gründen für eine Bibliothek völlig ungeeignet war. Wir haben gesagt, wir können das nicht einfach wegreißen, und dann lassen wir was schickes Neues hinstellen. Dann hätte uns genau der Vorwurf getroffen, den wir vorhin hatten: Ihr reißt ja alles nur ab und macht alles nur noch hässlicher. Wir haben mit ganz viel Aufwand den alten Giebel erhalten.

Das ist der Original-Giebel. Im Zusammenspiel mit dem alten Gebäudekörper, auch wenn er neu gebaut ist hinter dem Giebel, ist das noch so ein Stückchen Identität.“

 

Julia/Anja: „Faszinierend mit dem Nebengebäude. Das ist total modern. Dann der alte Giebel, wo ja auch schon moderne Elemente drin sind und wenn man dann reinguckt durch die großen Fenster auch noch eine unglaublich moderne Bibliothek.“

 

Christian Silberhorn: „Ja. Ein sogenannter dritter Ort. Was das ist, erkläre ich gleich.

Dann gehen wir jetzt mal rein, damit Sie diesen dritten Ort kennenlernen. Was ist ein dritter Ort? Der Begriff kommt aus der Soziologie. Der erste Ort hat mit Zuhause zu tun. Das ist das Zuhause, wo man sich wohlfühlt, wo man soziale Kontakte hat, im besten Fall. Der zweite Ort hat mit Schule, Beruf, Ausbildung zu tun. Da ist man auch eben im sozialen Kontakt. Und der dritte Ort, das sind informelle Treffpunkte da, wo man sich wohlfühlt, wo man gerne ist. Das war früher mal vielleicht die alte Eckkneipe. Und diese dritten Orte, wo man einfach hingehen konnte oder kann, um dann jemanden zu treffen oder auch in Ruhe irgendwie zu sitzen, das gibt es immer weniger. Aber Bibliotheken bieten sich an, genau solche dritten Orte zu sein.“

 

Julia/Anja: „Gehen wir zurück in den Straßenraum.“

 

Christian Silberhorn: „Jetzt machen wir den letzten kleinen Rest.“

 

Julia/Anja: „Können wir nicht hierbleiben? Wir wollen auch noch den letzten Teil sehen.“

 

Christian Silberhorn: „Kommen Sie gerne wieder.“

 

Julia/Anja: „Wieder draußen angekommen, nachdem wir die Bibliothek angeschaut haben. Und laufen jetzt Richtung?“

 

Christian Silberhorn: „Süden in das Bebauungs-Plan Gebiet südlich Henry-Wetjen Platz. Ein neues Gebiet.

Wir nähern uns dem südlichen Ende des Sanierungsgebietes und auch des südlichen Nahwege-Netzes, das so jetzt schon entstanden ist. Ein Neubaugebiet mit viel Wohnen aber in einigen Bereichen mit Gesundheitsdienstleistungen und Ärzten. Wir haben auch noch ein freies Grundstück. das gehört der Gemeinde. Das werden wir nur veräußern an jemanden, der, ich sag mal, eine entsprechende Nutzung dort anbietet, weil wir haben mit dem Augen-Zentrum in diesem Gebäude und dem Ärztehaus in der Leester Straße eine Cluster-Bildung. Und das gehört auch dazu, auch zur Funktion eines Ortskerns, Infrastruktur in diesem Bereich anzubieten.

Und da sehen wir dann hinten das rote Gebäude, das gibt es schon ganz lange. Das ist ein Pflegeheim, der Lerchenhof. Südlich dieser neuen Gebäude ist eine komplette Senioren-Siedlung, die schon vor vielen Jahrzehnten mit unterschiedlichen Gebäuden entstanden ist. Wir werden halt eben älter und das gilt für Weyher insbesondere. Also von der demographischen Entwicklung her und dem müssen wir eben auch gerecht werden. Und das geht mit so einer Verbindung: von der Alten-Siedlung zum Henry-Wetjen-Platz mit der Alten Wache, mit den entsprechenden Angeboten wie der Bibliothek. Und das nicht an der lauten Straße entlang, sondern hier auf einer neuen Wege-Verbindung. Das sind so die Ideen, die uns umgetrieben haben.“

 

Julia/Anja: „Bibliothek, Alte Wache, aber auch Ärztezentrum, Einkaufsmöglichkeiten, Kirche.“

 

Christian Silberhorn: „Ja, alles vor Ort und das sind die Ortskern-Funktionen und die muss man eben auch erreichbar machen. Das muss attraktiv sein.“

 

Julia/Anja: „Vielleicht ziehen wir erst hierher, wenn wir alt sind. Also wenn es vorher nicht klappt, können wir uns schon mal vielleicht in der Senioren-Siedlung ein Plätzchen sichern.“

 

Christian Silberhorn: „Am Bahnhof nordöstlich von den Schienen. Im Irrgarten, so heißt das Gebiet.

Da ist eine große Fläche da stand das Futtermittelwerk 1 drauf auf. Auf 14.000 Quadratmetern, da kommt auch wieder eine Seniorensiedlung hin.

Also nicht nur als Pflegeheim, sondern eben auch mit altengerechtem Wohnen, mit betreutem Wohnen und ganz viel Grün, Autos außen, innen Grün.“

 

Julia/Anja: „Wir gehen wieder zurück auf der Leester Straße.“

 

Christian Silberhorn: „Jetzt gehen wir wirklich zurück. Wir können noch mal in die eine oder andere Sache reingucken, von außen.“

 

Julia/Anja: „Die Tankstelle gehört natürlich auch zum Ortskern dazu.“

 

Christian Silberhorn: „Ja, die wird aber noch einige Jahre bestehen, aber auch sie wird künftig anders genutzt werden.“

 

Julia/Anja: „D.h. die Funktion Tankstelle wird dann an anderer Stelle abgebildet?“

 

Christian Silberhorn: „Diese Tankstelle da fällt weg, wir haben ja andere Tankstellen auch noch.“

 

Julia/Anja: „Jetzt sind wir wieder auf Höhe der KGS Leeste.“

 

Christian Silberhorn: „Wir gehen aber jetzt geradeaus.“

 

Julia/Anja: „Schulstraße, folgen der Leester Straße…auch wenn`s laut ist…Aber auch das gehört zum Ortskern dazu. Wird ja dann auch leiser, wenn es weniger Autos sind, weil dann alle mit der Straßenbahn fahren.“

 

Christian Silberhorn: „So wir sehen jetzt hier noch einen Gastronomiebetrieb, den es schon lange gibt. Wo die Gäste natürlich gerne hier direkt an der Straße sitzen.“

 

Julia/Anja: „Im Süden macht man das ja auch.“

 

Christian Silberhorn: „Der könnte natürlich auch wunderbar da in diesen Hof mit den riesigen Bäumen bespielen.“

 

Julia/Anja: „Da sind wir vorhin vorbeigekommen; diese Insel.“

 

Christian Silberhorn: „Aber nein, die Leute wollen lieber da sitzen. Das wird sich sicherlich auch dann sukzessive ändern, wenn das alles mal bebaut ist. “

 

Julia/Anja: „Wir sind wieder am Bahnhof angekommen und vielleicht steigt man aus der Bahn und setzt sich hier ganz wunderbar ins Restaurant.“

 

Christian Silberhorn: „Ja, also Gastronomie-Nutzungen sind hier an diesem Schwerpunkt also besonders gewünscht.“

 

Julia/Anja: „So, da sind wir wieder. Ja, haben ganz schön Marsch gemacht, extrem viel erfahren, gelernt, aufgenommen. Wir haben uns Leeste erlaufen über viele kleine Wege, große Straßen. Wir haben gelernt, wie wichtig das ist, gut zu überlegen, wie man Lebensqualität schaffen und stützten kann. Und was man alles erreichen kann.“

 

Christian Silberhorn: „Wie mein früherer Chef mal gesagt hat: Wir haben den schönsten Job der Welt und das ist so, wenn man so etwas gestalten kann, also die gebaute Umwelt gestalten. Und wenn es dann gut wird und wenn es auch angenommen wird, von den Menschen, das ist schon ganz toll also und da kommt die Motivation her.“

 

Julia/Anja: „Wir laden auf jeden Fall alle, die zugehört haben ein, dieses Nahwege-Netz mal selber zu erlaufen. Solange die Bahn hier noch nicht fährt, kann man sicherlich auf anderen schönen Wege – zum Beispiel, wie wir heute mit dem Fahrrad – hierher fahren. Fahrrad, Eisdiele, Nahwege; vielleicht nochmal Eisdiele oder Essen gehen und dann wieder zurück. Ein Ausflug hierher lohnt sich in jedem Fall. Zukünftig mit der Bahn ein bisschen einfacher, aber bis dahin wunderbar mit dem Rad. Vielen Dank, Dankeschön.“