Linie 8
Publiziert am: 1. Juni 2026

Lagerfläche für Weichen – Es tut sich was an der Moordeicher Landstraße

Was wäre das Schienennetz ohne Weichen. Erst durch sie wird das Verlassen der einen und der Wechsel auf eine andere Strecke möglich. Vor allem aber sind Weichen ziemlich große Bauteile. Um sie lagern zu können, braucht es folglich viel Platz. An der Moordeicher Landstraße / Feldweg ist daher eine über 5.000 qm große Lagerfläche entstanden. Die dort abgelegten Gleisteile werden nach und nach in das Schienennetz eingebaut. Damit Weichen sowie Transportfahrzeuge nicht im Weidegrund versinken, wurde die Fläche abgedeckt und mit verdichtetem Schotter gefüllt. Nach Abschluss der Arbeiten werden Gestein und Folie wieder entfernt, sodass das von der Gemeinde zur Verfügung gestellte Grundstück wie zuvor landwirtschaftlich genutzt werden kann. Die Zufahrt erfolgt über den Feldweg, die Ausfahrt über eine temporär geschaffene Zuwegung. Ein Rückwärtsrangieren von LKW auf die Moordeicher Landstraße ist dank dessen nicht notwendig. Der Verkehr rundherum wird durch die Baustellenfahrzeuge nicht eingeschränkt.

Eisenbahnweichen – Mit besonderer Sorgfalt ausgewählt

So schlicht Optik und Funktion erscheinen mögen, für Bahnexpertinnen und -experten sind Weichen etwas ganz Besonderes. Nicht umsonst begleitet ein:e Gutachter:in bereits bei der Ausschreibung Unternehmen wie die BTE. Gemeinsam werden technische Fragen geklärt und – nach Einbau an Ort und Stelle – Prüfmessungen durchgeführt. Sitzt alles am richtigen Ort? Sind die Übergänge zwischen Schiene und Weiche perfekt, sodass nichts holpert und stolpert? Mit speziellem Messgerät, -mittel und Laser werden Herzstück und -spitze, Zunge, Radlenker sowie Spur- und Rillenweite gemessen. Für die richtige Spurführung nämlich müssen alle Maße absolut genau sein, um die Betriebssicherheit der zukünftigen Strecke garantieren zu können.

Kein Standardbauteil also, und gerade in Bremen, bei der Verbindung von Straßen- und Eisenbahnnetz ist die Weiche ein neuralgischer Punkt im System, weswegen hier keine Weichen »von der Stange« zum Einsatz kommen. Sonderanfertigungen oder Standardweiche, wegen ihrer beweglichen Komponenten gehört das Bauteil zu den aufwendigeren Elementen im Eisenbahnoberbau. In Deutschland gibt es daher nur eine Handvoll Unternehmen, die für die Herstellung qualifiziert sind. 

Eingebaut werden Weichen überall dort, wo eine Gabelung der Schienen erforderlich ist, die Strecke also von einspurig auf zweispurig ausgebaut oder von zweispurig wieder auf ein Schienenpaar zusammengeführt wird. Im Bereich der Bahnhöfe beispielsweise. Hier wird zukünftig das Aneinandervorbeifahren möglich sein. Einige wenige Weichen bleiben im Bestand, wie zum Beispiel am Bahnhof Leeste. Diese Weichen werden im Zuge des Neubaus von »Handweichen« (ortsgestellte mechanische Weichen) auf elektrische Steuerung umgerüstet und »motorisiert«.

Nicht zuletzt ist die Weiche auch logistisch besonders: Da sie fertig montiert mit einer Länge von rund 15 m angeliefert wird, braucht es mehrere LKW oder spezielle Eisenbahnwaggons für ihren Transport. Riesiges Bauteil, penible Fertigung, genaustens geprüfte Montage – der Einbau ist immer wieder ein kleines bautechnisches Highlight.