Gleiswechsel
Der Verbindungs-Podcast

Folge 2 - Auf alten und neuen Pfaden

 

Christian Silberhorn: „Wir sind jetzt hier auf dem künftigen weiteren Weg durch den Ortskern, der an der Schule vorbeiführt. Wir haben rechts die Leester Straße, also 30 Meter von uns, die wirklich laut und mit viel Verkehr belastet ist. Und wir bewegen uns jetzt durch den Ortskern auf etwas ruhigeren Bahnen, auch wenn wir nur 30 bis 50 Meter von der Hauptverkehrsstraße weg sind.

So, jetzt werden wir gleich die Schulstraße queren. Und kommen dann auf ein kleines Teilstück unserer Nahwege-Verbindung, das noch alt und historisch ist. Auch sehr stark frequentiert und die werden natürlich eingebunden in dieses Netz, das wir jetzt nachbauen.“

 

Julia/Anja: „Also die wurden auch all die Zeit genutzt, aktiv. Also ist das so ein System, was eigentlich auch schon gelernt ist? Das ist nicht fast komplett neu.“

 

Christian Silberhorn: „Ja, das gab es ganz lange, dass man eben mal durch den Ort gehen konnte, ohne an lauten Straßen vorbei zu müssen oder wo man eine Abkürzung nehmen konnte, mit dem Auto.“

 

Julia/Anja: „Die Schule ist aus. Es kommen ganz viele Schüler:innen vorbeigefahren auf diesem Nahverkehrsweg. Der wird gut genutzt.“

 

Christian Silberhorn: „Ich bleibe jetzt hier stehen, nur damit sie gleich wissen, wo wir sind. Das ist das letzte Stück unserer Nahwege-Verbindung, das noch nicht gebaut worden ist. Das hoffe ich dieses Jahr oder nächstes Jahr noch hinzubekommen. Die Schwierigkeit ist, den privaten Anliegern solche Stücke abzuschwatzen. Zu sagen: Ihr gebt mir jetzt mal 5 Meter von eurem Garten, damit dann hinterher ganz viele Leute da bei euch durchlaufen können. Da muss man gut verhandeln. Aber wenn man ganz kurz mal hier stehen bleiben.“

 

Julia/Anja: „Da quert der Köhler Bruch die Leester Straße.“

 

Christian Silberhorn: „Quert die und geht und geht drüben in das westlich gelegene Wohngebiet. Und der Weg war ähnlich schmal wie der Weg, den wir eben gegangen sind. Im Rahmen der Neubebauung und der Sanierung haben wir einen guten Meter dazu kaufen und den Weg deutlich verbreitern können."

 

Julia/Anja: „Und der lädt offensichtlich zum Gehen ein. Das finde ich einen wichtigen Punkt, weil Fahrradfahren, Autofahren, das sind so Fortbewegungsmittel, die eigentlich immer als erstes einfallen. Aber der Fußverkehr ist ja durchaus auch etwas Wertvolles gerade in solchen Orten, oder? Ah, jetzt laufen wir auf das Haus mit den Affen zu.“

 

Christian Silberhorn: „Ja, die ehemalige Gaststätte Amelung. Die hat die Gemeinde erworben. Weil, wir wussten ja, wir machen hier Sanierung, und das ist ein Sanierungs-Schwerpunkt. Wir haben drei Schwerpunkte: den Bahnhof Leeste und umzu; im Süden, den Henry-Wetjen-Platz – da gehen wir jetzt so langsam darauf zu und in der Mitte entlang dieser anderthalb Kilometer langen Ortskern-Straße, ist der Leister Platz.

Und hier entsteht ein neuer kleiner geschäftiger Marktplatz der sogenannte Leister Platz; einen Namen hat er schon.“

 

Julia/Anja:  „So, jetzt biegen wir wieder ein.“

 

Christian Silberhorn: „Das ist komplett neu. Diesen Weg gab es nicht.“

 

Julia/Anja: „Wir haben wieder die gleiche Oberfläche, vielleicht hört man es, ich schlurfe mal. Mögen Sie es nochmal sagen, ich habe den Begriff vergessen.“

 

Christian Silberhorn: „Eine sogenannte wassergebundene Oberfläche. Es ist eine feste Oberfläche, sehr gut mit Fahrrädern, auch Rollstühlen zu befahren oder zu aber eben nicht alles zugepflastert.“

 

Julia/Anja: „Wir kommen an einem Bild vorbei von einem verfallenen, wunderschönen alten Gebäude, das ist zugewachsen mit Wein, der so rot leuchtet.“

 

Christian Silberhorn: „Das war eine alte Kohlenhandlung und Sämerei. Die war auf diesem Gelände untergebracht, auch dieser Weg gehörte dazu. Das Gebäude war nicht mehr zu erhalten; der Aufwand im Vergleich zur Nutzfläche.

Im vorderen Bereich im Erdgeschoss ist Gewerbe untergebracht. Wir achten darauf, dass an der Leester Straße im Erdgeschoss nicht gewohnt wird, sondern da ist immer Gewerbe vorgesehen. Wir erzwingen das, sozusagen, übers Planungsrecht, damit der Ortskern seine Funktion behält.

Und über diesen Trick oder über die Planungsfestsetzungen haben wir zum Beispiel erreicht, dass dort in einem Neubau eine Eisdiele entstanden ist, die es vorher nicht gab. Das war für die Leester nicht schön, nach Kirchweyhe ins Eiscafé fahren zu müssen.“

 

Julia/Anja: „Ah, ein Eis hätte ich auch gerne.“

 

Christian Silberhorn: „Und hierher konnte man fast gar nicht kommen.“

 

Julia/Anja: „Ganz schön ist es hier. Und es kommt wieder ein Bild auf der rechten Seite. Ist es das, wie es vorher aussah?“

 

Christian Silberhorn: „Nein. Das ist die Leester Straße. Da sieht man, dass man sich gar nicht mehr auskennt. Stadt verändert oder Dorf verändert sich ständig, auch wenn man nicht so das Gefühl hat. Aber es passiert dauernd was und das war auch früher schon so. Das ist nicht jetzt erst so, wo wir oftmals den Vorwurf gemacht bekommen: ihr reißt einfach alles ab. Früher war es schön, es soll so bleiben, wie es vor 30 Jahren einmal war. Ist eine Original-Spruch. Man kann jeden beliebigen Zeitpunkt nehmen und geht dann mal 5 Jahre weiter und dann merkt man: Oh, der Schweinestall da ist abgebrannt auf einmal entsteht was anderes. 20 Jahre später ist wieder irgendwas passiert.

Veränderung ist eigentlich das, was in der Stadt passiert, also Stadtplanung. Wir versuchen, mit der Planung den Prozess sinnvoll zu steuern.“

 

Julia/Anja: „Wir haben festgestellt, dass diese Nahwege-Verbindung es ermöglicht, den Ort noch mal ganz anders zu entdecken, andere Perspektiven einzunehmen, andere Verbindungen herzustellen. Und wir hatten das Stichwort Lebensqualität.“

 

Christian Silberhorn: „Das ist Lebensqualität, gebaute Lebensqualität.

Wir haben das hier eingeweiht mit einem mit einem Fest zum Tag der Städtebauförderung am 13. Mai dieses Jahres (Anmerkung: 2023).“

 

Julia/Anja: „Stichwort Städtebauförderung: Welche Rolle spielt das in diesen ganzen Stadtentwicklungsprojekten?“

 

Christian Silberhorn: „Eine exorbitant wichtige Rolle. Das sind schon ein paar Millionen, die hier im Ortskern für diese Sanierung ausgegeben werden. Über viele Jahre natürlich. Was bedeutet das, mal vereinfacht ausgedrückt: Ein Drittel bezahlt die Gemeinde, ein Drittel bezahlt das Land, ein Drittel bezahlt der Bund. Und dann wird sowas gangbar.“

 

Julia/Anja: „Es gibt eben ein Nahwege-Netz, es gibt Lebensqualität, es gibt Mobilität. Dann habe ich lauter gute Gründe aus Bremen Mitte wegzuziehen, weil es dann gar nicht mehr so weit weg und gar nicht mehr ganz so anders ist, bzw. einen anderen Charme hat.“

 

Christian Silberhorn: „Wir haben eine bevorzugte Lage im Süden von Bremen. Wir haben eine hervorragende Infrastruktur, also auch was Ärzte anbelangt, nicht nur einkaufen und wir haben eben Lebensqualität. Aber ja wir sind attraktiv, das ist so.“

 

Julia/Anja: „Durch die Straßenbahn wird es nicht weniger attraktiv. Vielleicht ist es dann gar nicht so gut, wenn die Straßenbahn ausgebaut wird.“

 

Christian Silberhorn: „Doch, das ist gut. Die Linie 8 wird eins bringen, in der Bedeutung, in der Wahrnehmung: Wir gehören dazu, wir sind urban und nicht mehr Diaspora. Wir gehören dazu, das ist so, das macht es aus, glaube ich. Unabhängig davon, wie viele Menschen von wo nach wo fahren. Aber wenn man eben an so ein Netz angebunden ist, ist das schon ein Pfund und das wird auch viele positive Entwicklungen haben.”

 

Julia/Anja: „Wird auf jeden Fall, wenn die Linie 8 fährt, auch sehr spannend, was so den Ein- und Auspendler-Verkehr angeht. Wie viele Menschen werden sich entscheiden, die hier wohnen und in Bremen arbeiten, dann doch entspannt mit der Straßenbahn zu fahren, statt sich im Auto im Stau zu quälen. Das wird nochmal interessant, wenn es dann so weit ist.“

 

Christian Silberhorn: „Das denke ich auch, das muss man sehen. Und Linie 8 ist ja am Bahnhof Leeste noch nicht zu Ende, die kann und muss man ja eigentlich weiterdenken, also bis an den Bahnhof Kirchweyhe.“

 

Julia/Anja:  „Wir sind immer noch unterwegs durch Leeste. Mit Herr Silberhorn entdecken wir die Nebenwege in diesem wunderbaren Gebiet. Am Ende soll ein Eiscafé locken.“

 

Christian Silberhorn: „Wir laufen los und laufen auch durch das sogenannte Leester Wäldchen.“

 

Julia/Anja: „So, wir folgen immer noch der Nahwege-Verbindung mit der wassergebundenen Oberfläche. Wir haben wieder wunderbare Begriffe, die wir vielleicht in unserem Glossar aufnehmen können.“

 

Christian Silberhorn: „Jetzt gehen wir mal hier drunter durch. Es ist kein Starkstromkabel, wie draufsteht, sondern einfach nur abgesperrt.“

 

Julia/Anja: „Wir müssen den Weg verlassen, weil jetzt nämlich Baufahrzeuge hier lang fahren und die Oberfläche bearbeiten.“

 

Christian Silberhorn: „Die Wege-Verbindung geht dann noch da durch. Wir gehen jetzt einen kleinen Schlenker und kommen durch das Leester Wäldchen. Wir gönnen uns hier an der Stelle den Luxus – obwohl das eigentlich auch bestes Bauland sein könnte und das ist verdammt teuer hier – dass wir einen kleinen Pocket Park daraus machen, eine kleine Parkanlage.

Und das wird sich in der nächsten Zeit entwickeln. Der ist gerade fertig geworden. Jetzt sind die Bäume noch relativ klein. Wenn das alles mal aufgewachsen ist, wird das Leester Wäldchen auch wieder erkennbar sein.“

 

Julia/Anja: „So wir laufen wieder auf die Leester Straße zu. Es wird wieder ein bisschen lauter. Und es wird spannend, wie wir hier vom Weg runterkommen, weil uns ein Gitter den Ausgang versperrt. Aber da wir mit dem Fachmann unterwegs sind, kann uns gar nichts passieren.“

 

Christian Silberhorn: „Wir machen nichts kaputt. Die künftige Ligusterhecke wird das aushalten. Wir gehen jetzt rechts und unser verdientes Eis abholen. Dieses Eiscafé gäbe es nicht, wenn wir nicht gesagt hätten, hier muss im Erdgeschoss auch Gewerbe sein. Das hat dazu geführt, dass die Leester nicht mehr nach Kirchweyhe müssen zum Eis essen.“

 

Julia/Anja: „Und wie man sieht wird es auf einem sonnigen Donnerstagnachmittag sehr gut angenommen…“

 

Christian Silberhorn: „Und wir tun uns das jetzt auch an.“

 

Julia/Anja: „Es schmeckt köstlich. Doch wieder eine Reise wert von Bremen nach Weyhe, alleine für die Eisdiele. Wir gehen ein bisschen weiter an der Leester – wie heißt die Straße? – die ist so laut, dass ich mir den Namen gar nicht merken kann. Wir gehen gleich wieder auf Nebenwege mit unserem Eis, wobei hier hört man das Schmatzen wenigstens nicht so.“

 

Christian Silberhorn: „Was wirklich ganz lange unverändert bleibt, sind die großen Hauptwege, Verbindungen oder Straßen. In den allerersten Karten, die hier gemacht wurden, ist genau die Leester Straße und da vorne haben wir eine ganz seltsame Kurve. Gehen wir auch gleich mal dran vorbei. Die Leester Straße geht dann weiter so ein bisschen versetzt Richtung Süden. Also die Nord-Süd-Verbindung bis Bremen, die gab es schon immer.“

 

Julia/Anja: „So, jetzt kommen wir auf die Kurve, die Sie gerade angesprochen haben. Ich meine da hinten. Ah, da sind schon die Bibliothek und der Kultur-Bahnhof zu sehen.“

Eine Illustration, die in zwei Hälften ausgeteilt ist. Links befindet sich eine lesende Person auf einer Parkbank. Rechts befindet sich eine Karte von Leeste mit einem Streckenabschnitt.

Richtung Süden - Folge 3

Dritte Orte und Ruhebänke –  lebendige Infrastruktur

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