Gleiswechsel
Der Verbindungs-Podcast

Folge 1 - Nahe Wege

Christian Silberhorn: „Christian Silberhorn von der Gemeinde Weyhe, Fachbereich Gemeindeentwicklung und Umwelt. Ich bin verantwortlich als Stadtplaner für das Sanierungsgebiet Ortskern Leeste, in dem wir uns jetzt befinden. Der Bahnhof Leeste mit seiner Haltestation der Linie 8 liegt mitten im Ortskern von Leeste, in Sanierungsgebieten. Was das bedeutet, da reden wir jetzt im Anschluss noch drüber.“

 

Julia/Anja: „Und spazieren ein bisschen durch Leeste und schauen uns um.“

 

Christian Silberhorn: „Das Sanierungsgebiet gibt es jetzt seit 7 Jahren. Es ist ungefähr Halbzeit. Wir werden also noch ein paar Jahre zu tun haben – aber es dauert ja noch ein bisschen bis die Linie 8 fährt.

Für diesen gesamten Sanierungsbereich haben wir noch ein paar Schwerpunkte zu bearbeiten, einige haben wir schon geschafft, anderes müssen wir weiterführen wie hier am Bahnhof Leeste, wo wir hier eine neue Erschließung hineingelegt haben. Die Ladestraße – so heißt das hier – erschließt ein neues Einkaufszentrum, das wir hier auf einer Gewerbebrache angesiedelt haben.

Hier, wo wir die wunderschöne Blühwiese sehen, werden künftig die Busse halten und eine Park-and-Ride- und Bike-and-Ride-Anlage entstehen. Alles wird, bis die Linie 8 fährt, realisiert werden.

Wir stehen jetzt auf einer Fläche, die bis vor wenigen Jahren noch relativ stark bebaut war. Hier standen eine alte Viehwaage und größere Lagerhallen. Das haben wir im Zusammenhang mit dem Neubau der Ladestraße geräumt –  schon in Vorbereitung auf die Nebenanlagen zur Linie 8. Also hier kommen Park-and-Ride, die Buswendeschleife mit 2 Bushaltestellen und einer dritten für den Bürgerbus, hin. Die werden hier realisiert, direkt am künftigen Bahnsteig der Linie 8.

Wenn wir jetzt hier stehen, schauen wir auf ein älteres Gebäude, einen kleinen Turm, den Wasserturm. Das ist eines der wenigen Baudenkmäler, die wir hier haben. Wir haben Drei im Ortskern von Leeste, eins davon ist der Wasserturm. Der war damals dafür da, dass die Dampf-Loks ihr Wasser bekommen haben. Und davor, aus dem gleichen Baujahr, ist der Lokschuppen. Und das ist ganz interessant, dass wird jetzt überwiegend von dem Verein Kleinbahn Leeste –Pingelheini ist das Stichwort – genutzt. Der Pingelheini, der hier langfährt, wird von vom Verein Kleinbahn Leeste gepflegt und betrieben. Die fahren natürlich auch auf der Strecke, die künftig auch die Linie 8 fahren wird.

Wir bleiben gleich mal beim Bahnhof. Dann gehen wir mal.

Bahnhof Leeste: Das Gebäude ist aus den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts, also round about 100 Jahre alt. Leider auch mal überformt worden, wie wir Planer sagen. Das heißt, man sieht das Dach – es war früher ein Walmdach – und ist jetzt einseitig verändert worden. Irgendwann werden wir vielleicht mal die Zeit und das Geld haben, um das Gebäude auch wieder in den alten Zustand zu versetzen. Ansonsten ist das Gebäude durchgehend genutzt.

Jetzt gehen wir wieder ein Stückchen.“

 

Julia/Anja: „Wo gehen wir hin? Einmal um das Schießstand-Häuschen herum.“

 

Christian Silberhorn: „Sehen Sie noch die Reste der ehemals offenen Schießbahn? Die ging bis dahinten hin. Da stand noch ein Haus. Hier ist schon alles zur weiteren Bebauung vorbereitet. Aber den wahren Charakter dieses Geländes erkennt man eigentlich erst, wenn man es betreten hat; also diesen Innenhof-Bereich sozusagen erlebt. Und hier ist besonders markant: diese große Baum-Insel. Die ist ortsbildprägend und wir haben sie im Bebauungsplan verankert. Die darf also niemals weggenommen werden.“

 

Julia/Anja: „Das ist ja erstaunlich. Häufig hat man das ja, wenn irgendwo gebaut wird, ist das Erste, was passiert: Bäume weg.“

 

Christian Silberhorn: „Leider muss manchmal so was sein. Aber bevor wir das machen, gehen wir mit unseren Leuten vom Team Grün nach draußen und nehmen die Bäume auf. Wir bestimmen dann, welche wirklich ortsbildprägenden sind, welche geschützt werden müssen? Und die werden dann auch, so nennt sich das, festgesetzt. Das heißt, da steht dieser Baum, und wenn der mal krank wird, umfällt oder sowas muss er ersetzt werden. Gefällt werden darf der sowieso dann nicht.

Also diese ganze Gehölz Gruppe haben wir geschützt, quasi so eine Insel.

Hier wird ganz viel neu entstehen und hier so einen Innenhof bilden. Und jetzt kommt es: Auch wenn das privates Gelände ist, haben wir uns eine Wege-Verbindung einräumen lassen. Das heißt, hier wird es einen öffentlichen Weg über dieses ansonsten private Gelände geben, der auch nicht irgendwie abgesperrt werden kann, weil das eine wichtige Verbindung vom Bahnhof über die Schule durch den gesamten Ortskern ist.“

 

Julia/Anja: „D.h. wir laufen jetzt  einmal…“


Christian Silberhorn: „Von Norden nach Süden“

 

Julia/Anja: „…an dieser Baumgruppe vorbei und – Sie haben gerade Schule gesagt?“

 

Christian Silberhorn: „Schule, ja…“

 

Julia/Anja: „Wir gehen erst noch mal zurück…“

 

Christian Silberhorn: „Später wird es weitergehen, da an diesem Betonbunker vorbei, geht der Weg.”

 

Julia/Anja: „Wir gehen noch mal zurück, wieder Richtung Bahnhof, Bahnhofsgebäude.“

 

Christian Silberhorn: „Wieder Richtung famila. Weil diese Wege-Verbindungen, die gehen natürlich nicht nur Nord-Süd durch den Ortskern, sondern binden auch die Wohngebiete rechts und links neben dem Ortskern an.“

 

Julia/Anja: „Also hat niemand einen Grund zu sagen, die kommen gar nicht hin zur Straßenbahn, sondern das ist so perfekt geplant, dass jeder die Möglichkeit hat.“

 

Christian Silberhorn: „Auf möglichst kurzem Wege und möglichst auch ohne das Auto nehmen zu müssen. Und da gehören solche Nah-Wege-Verbindungen einfach dazu. Die gab es früher öfter und sind dann oftmals verschwunden, weil dann das letzte Eckchen auch noch gebaut werden musste. Das ist jetzt außerordentlich schwierig, so ein Netz wieder in den Bestand reinzubringen.“

 

Julia/Anja: "Wir sind immer noch auf der Ladestraße. Wir haben jetzt den Bahnhof im Rücken und bewegen uns auf den Einkaufsmarkt zu.“

 

Christian Silberhorn: „Richtung Osten, sozusagen. Das Sanierungsgebiet Ortskern Leeste hat 42 Hektar, das ist ziemlich groß. Das erstreckt sich auch auf anderthalb Kilometer links und rechts der Leester Straße. Das ist die Hauptverkehrsstraße durch Leeste durch. Und auf diesen 42 Hektar, das wirklich ein großes Gebiet ist, leben aktuell 914 Menschen. Die haben da ihren Wohnsitz. Das ist ganz wenig. Leeste hat fast 10.000 Einwohner. Das heißt, die Menschen wohnen nicht im Ortskern, der Ortskern hat andere Aufgaben. Daran kann man das immer gut ablesen, ob etwas, ich sag mal, Ortskern-Charakter hat also Zentrums-Charakter hat. Oder ob es nur ein Wohngebiet ist, wo der ein oder andere Einzelhändler vielleicht drinsitzt.“

 

Julia/Anja: „Können Sie kurz sagen, was die Aufgaben eines solchen Ortskerns sind?“

 

Christian Silberhorn: „Das ist Versorgung mit allen Gütern: ärztliche Infrastruktur, auch die Eisdiele. Das sind Kneipen, Cafés. Das ist aber auch kulturelles Angebot. Das finden wir alles hier auch im Ortskern von Leeste und deswegen auf diesem großen Gebiet relativ wenig Einwohner. Aber die Vielen wohnen dann direkt im Anschluss und die muss man natürlich auch anbinden an den Ortskern. Deswegen langt nicht nur die Nord-Süd-Achse der Nahwege-Verbindung, die wir jetzt bauen, sondern wir bauen auch immer die Ost-West-Verbindungen, um die umliegenden Wohngebiete auf kurzer Strecke anzubinden.“

 

Julia/Anja: „Also es muss sternförmig sein, aber auch so Ringverbindungen geben, oder?“

 

Christian Silberhorn: „Es ist eher eine Längsachse mit den Anbindungen rechts, links. Das ist der Struktur geschuldet. Ich möchte Ihnen jetzt ein Beispiel zeigen, wie es gelingen kann, solche Wege-Verbindungen neu zu bauen, wieder in Bestands-Strukturen reinzubringen.

Dieser Weg ist ein Privatweg. Er gehört zu diesem Einkaufsmarkt, wird von dem auch sozusagen unterhalten. Ist aber ein öffentlicher Weg, weil wir da Wegerechte draufgelegt haben.”

 

Julia/Anja: „Das ist ein wunderschöner Weg, der ist nicht gepflastert, sondern so ein bisschen…“

 

Christian Silberhorn: „Das ist eine wassergebundene Oberfläche, sagt man dazu.

Der wird auch sehr gut angenommen, das muss man sagen. Also sowohl von den Schulen her zum Verbrauchermarkt – sehr zum Leidwesen der Lehrer, die sagen: Das dürft ihr nicht, aber die (Anmerkung: die Schüler:innen) gehen natürlich dahin in der großen Pause.“

 

Julia/Anja: „Obwohl ein Zaun dazwischen ist.“

 

Christian Silberhorn: „Ja, da der ist schon an der richtigen Stelle durchlässig.

Da drüben ist die Jahnstraße und die ist dann schon Wohngebiet. Da ist auch ein Kindergarten. Gehen wir mal da rüber.“

 

Julia/Anja: „An der Grundschule vorbei."

 

Christian Silberhorn: „Ja, rechter Hand die alte Feuerwache. Die Feuerwehr hat hier in Leeste ein ganz neues Gebäude bekommen, etwas außerhalb.“

 

Julia/Anja: „Aha ja gut, aber es gibt noch den alten Schlauch-Turm. Der Trocken-Turm mit einem schönen alten Bild dran.“

 

Christian Silberhorn: „So, ich glaube, wir gehen hier runter.“

 

Julia/Anja: „In die Pestalozzistraße.“

 

Christian Silberhorn: „Die wir im Rahmen dieser Neugestaltung und der Neuansiedlung zur Einbahnstraße gemacht haben. In Absprache auch mit den Anrainern. Weil wir hier sehr viel Schüler-Bring-Verkehr hatten und das teilweise komische Situationen waren. Das hat sich sehr bewährt – wie gesagt mit einer großen Bürgerbeteiligung. Lustige Geschichte dazu ist: Als wir das gemacht haben, war gerade Corona und es gibt nicht mehr alles an Lieferungen. Wir haben tatsächlich keine Einbahnstraßen-Schilder bekommen. Da sind die unsere Kollegen vom Bauhof in den Nachbargemeinden zu den Bauhöfen gefahren und haben Einbahnstraßen-Schilder ausgeliehen.“

 

Julia/Anja: „Es ist auf jeden Fall sehr schön grün hier.“

 

Christian Silberhorn: „Wir haben circa 15.000 Straßenbäume in Weyhe.“

 

Julia/Anja: „Straßenbäume. Das bedeutet: das sind nicht die privaten Bäume, also nicht die auf privatem Gelände stehenden Bäume dabei.“

 

Christian Silberhorn: „Richtige Straßenbäume, die in öffentlichem Grund stehen. Und die müssen, weil sie an Straßen und Wegen stehen, verkehrssicher sein.“

 

Julia/Anja: „Haben wir dieses Thema ausreichend im Glossar zum Thema Straßenbegleitgrün behandelt? Straßenbegleitgrün: Das ist ein guter Hinweis. Kann man in unserem Glossar nachlesen.“

 

Eine Illustration, die in zwei Hälften ausgeteilt ist. Links befinden sich zwei Personen und ein Kind im Kinderwagen. Rechts befindet sich eine Karte von Leeste mit einem Streckenabschnitt.

Auf alten und neuen Pfaden - Folge 2

Haupt- und Nebenwege – gebaute Lebensqualität

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