Reaktivierung der Bestandsstrecke – 
alte Pfade, neue Technik

Für den Streckenausbau der Linie 8 entsteht im Grunde genommen nichts Neues. Zur Fahrt durch Stuhr über Brinkum nach Weyhe wird ganz unkompliziert reaktiviert, was bereits vor über 100 Jahren gebaut wurde: die Trasse der Bremen-Thedinghauser Eisenbahn (BTE). Nachhaltiger geht es kaum. Die Spurweite ist die gleiche wie die der Straßenbahn innerhalb des Bremer Stadtgebietes, die Strecke ist dank sorgfältiger Pflege sowie regelmäßiger Nutzung durch Güterverkehre und die Museumsbahn in Schuss und überhaupt: Es geht quer durch die norddeutsche Tiefebene – plattes Land, da stört nichts.

Kann also gleich losgehen? Während bis heute noch Güterzüge über die Schienen rollen, verkehrte der letzte Personenzug 1955. Nach erfolgreichen Jahren mit erfreulichen Fahrgastzahlen und reger Transportnutzung (im Jahre 1928 waren es 116.004 Reisende und 77.579 t Güter), wurden 1994 lediglich noch 47.846 t Güter über die Strecke bewegt. Schließlich wurde ein Stilllegungsverfahren eingeleitet.

 

Tauschen, schottern, stopfen – 
Sanierung und andere Änderungen

Mit dem Verkehrsentwicklungsplan Bremen und dem damit einhergehenden Ausbau der Linie 8 bis in die niedersächsischen Gemeinden Stuhr und Weyhe denkt mittlerweile niemand mehr an Stilllegung. Aus dem Dornröschenschlaf erwacht, wird die Strecke rundum erneuert, die Bahnhöfe Moordeich, Stuhr, Erichshof und Leeste werden wieder ihrem ursprünglichen Zweck zugeführt und bieten zukünftig zusammen mit neun weiteren Haltepunkten Ein-, Um- und Ausstiegsmöglichkeiten.

Bis es soweit ist, gibt es doch noch so einiges zu tun. Denn natürlich ist trotz Pflege die Gleisanlage in die Jahre gekommen. Vor allem aber gelten für den Personenverkehr andere technische Vorschriften. Fährt der Güterverkehr mit maximal 40 km/h, sind es beim Personenverkehr bis zu 70 km pro Stunde. Die Belastungen der Strecke sind zukünftig also andere, die Stabilität der Gleisanlage muss gewährleistet sein. Dort wo aktuell noch Holzschwellen liegen, werden diese daher durch Betonschwellen ersetzt. Außerdem werden die Schienen auf der gesamten Strecke ausgetauscht, das Gleisbett neu geschottert und gestopft sowie Lichtwellenleiterbündel verlegt. Dazu wird im Rahmen des Kabeltiefbaus über 12 km ein Kabelschacht neben den Gleisen eingegraben – nicht zu tief, damit Störungen wartungsfreundlich schnell behoben werden können. Die Spurweite ist mit 1435 mm im Übrigen eine sogenannte »Normalspur«, die Fahrzeuge der BSAG fahren wie auch die Eisenbahn auf dieser Weite. Diesbezüglich bleibt also alles wie gehabt.

Nicht so die Triebwagen: Abgesehen davon, dass die Linie 8 auf der BTE-Trasse als Eisenbahn verkehrt, weil sie der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) unterliegt, verändern sich auch die technischen Anforderungen an die Fahrzeuge. 70 km/h dürfen überhaupt nur Treibwagen fahren, deren Bremsleistung entsprechend ist. Ein »Zugsicherungssystem« sorgt für einen reibungslosen Zugverkehr und die Zugbeeinflussung bringt die Linie 8 auf der Stelle zum Stehen, wenn ein rot leuchtendes Signal eventuell überfahren werden sollte. Anders als im Straßenbahnverkehr, wo »auf Sicht« gefahren wird, gilt hier nämlich das Fahren im »Raumabstand auf Signal«. Soll heißen: Die oder der Triebfahrzeugführer:in verlässt sich darauf, dass der Fahrweg gesichert und die Strecke frei ist.

Für die Nachhaltigkeit – 
Drei Nutzer im Takt

Mit der Linie 8 wird es auf der weitestgehend eingleisigen Strecke einen dritten Nutzer geben – zusätzlich zu Cargo-Verkehr und Museumsbahn. Aufgrund der höheren Auslastung wird die Strecke in »Blöcke« unterteilt. Das bedeutet: Pro Block fährt immer nur eine Bahn, egal ob Linie 8, Cargo-Lok oder Nebenfahrzeug. Damit sich nicht zwei Fahrzeuge auf offener Strecke begegnen, müssen die Taktzeiten also genau berücksichtig werden. Die Synchronisation ist herausfordernd.

Schwellentausch, Schienenerneuerung, Bau von Haltepunkten und die Reaktivierung der Bahnhöfe – wenn das alles getan ist, dann steht der Fahrt der Linie 8 bis zu ihrer Endhaltestelle Hagendamm in Weyhe nichts mehr im Weg.