Von der Straßenbahn zur Eisenbahn – 
(k)eine magische Verwandlung

Wer in die Linie 8 einsteigt, fährt zukünftig mit einer ganz besonderen Bahn: Nicht nur, dass die Strecke über die Ländergrenze hinaus reicht, sie fährt damit auch zwischen zwei verschiedenen Regelwerken hin und her. Durch die Nutzung der BTE-Trasse nämlich wird die Straßenbahn zur Eisenbahn.

Für die Fahrgäste entsteht damit natürlich kein Mehraufwand, sie benötigen kein anderes Ticket, es kommt keine Schaffnerin zur Fahrscheinkontrolle und auch die Bahn wird nicht mit Erreichen des nächsten Bundeslandes ausgetauscht. Während der »Verwandlung« können alle einfach sitzen bleiben.

Neue Strecke, neue Regel: 
Wer fahren will, muss lernen

Die Triebfahrzeugführer:innen hingegen haben es nicht ganz so einfach. Für sie bedeutet dieser Zusammenschluss Veränderungen der Fahrroutinen. Da wären zum Beispiel die Signalanlagen: Statt wie bisher auf das Verkehrsaufkommen rundherum situativ zu reagieren, also »auf Sicht« zu fahren, regeln im Schienennetz der Eisenbahn andere den Verkehr. Klar: Die Bahn fährt auf einem Gleis und teilt sich dieses mit anderen Nutzern wie beispielsweise Güterzügen oder, in unserem Fall noch mit der Museumsbahn. Wenn da jede:r fährt wie sie oder er mag, stünde man sich womöglich Nase an Nase auf freier Strecke gegenüber – und wer will schon die ganze Strecke bis zur nächsten Überholmöglichkeit wieder zurückfahren. Kurz: Es gelten andere betriebliche Regeln, und die müssen gelernt werden. Im Übrigen heißen die Wagen ganz vorn »Personentriebwagen«, anders als beim Güterverkehr: hier zieht eine Lokomotive die Güterwagons.

Manches wird auch leichter: Die Weichen auf der Eisenbahnstrecke zum Beispiel, die im innerstädtischen Straßenbahnverkehr durch die Weichensteuerung der Fahrzeuge (IMU) umgestellt und damit von den Fahrer:innen im Blick behalten werden müssen, werden bei der Eisenbahn durch die:den Fahrdienstleiter:in im Stellwerk bedient.

Zwei Betriebsordnungen (Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung »EBO« und Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung »BOStrab«), andere Regeln, neue Technik: Wer als Straßenbahnfahrer:in die Bahnen der Linie 8 fahren möchte, muss dafür eine Zusatzqualifikation vorweisen können, damit das Befahren der Eisenbahnstrecke erlaubt ist.

Historie und Zukunft in einem: 
25 Jahre BTE

Und wer hat die 26,2 km lange Strecke allgemein und im Besonderen in seiner Verantwortung? Seit 1908 bereits wird zwischen Bremen, Stuhr und Weyhe auf Gleisen gefahren. Damit die historische Strecke gepflegt, bei Bedarf saniert und stets befahren werden kann, wurde im Jahr 2000 die BTE (Bremen-Thedinghauser Eisenbahn GmbH) gegründet. Ihre Aufgaben sind die Instandhaltung sowie die Bereitstellung der Infrastruktur für den Güterverkehr. Zu den Gesellschaftern zählen mit je 30% die Gemeinden Stuhr und Weyhe, die Samtgemeinde Thedinghausen sowie mit 10% die Weserbahn GmbH, eine Tochter der Bremer Straßenbahn AG.

Neben der bisherigen Entlastung der Straßen durch Lkw-Verkehr, trägt diese historische Verbindung nun mit der Verlängerung der Linie 8 auch zur Umsetzung der Verkehrswende bei.