Lichter, Leitungen und letzte Handgriffe

Software für die Fahrt – Ja, sind wir denn jetzt gleich soweit?

Die Gleise liegen, die Straßen sind aufgeräumt und saubergefegt – jetzt könnte es eigentlich losgehen. Theoretisch. Für die alltägliche Praxis fehlen noch ein paar wenige, aber wichtige Dinge, um den Bahnbetrieb aufnehmen und den Verkehr drumherum passend gestalten zu können.

Beim Straßenbahnbau ist es ein bisschen wie im Computerbereich: Damit es läuft, braucht es allem voran ordentliche Hardware, funktionieren allerdings tut es schlussendlich erst mit der passenden Software. In den Verkehrsraum übersetzt bedeutet das: Gleise, Brücken und Haltestellen bzw. Haltepunkte allein führen noch nicht zu einem reibungslosen Ablauf. Ohne Verkehrszeichen und Ampelanlagen weiß nämlich niemand, wann wo wer mit dem Fahren dran ist. Fehlt die Beleuchtung, stehen alle im Dunkeln und ohne Ausstattung hilft so eine Haltestelle oder ein Haltepunkt nur bedingt weiter.

Illustration einer Haltestelle. Vier Personen mit Warnjacken arbeiten an Ampeln, Busaushang und Bahnsteigbeleuchtung.

Ampel, Licht und Leitung – Was fehlt noch zur Inbetriebnahme?

Im Detail passiert daher jetzt noch Folgendes: Für die Koordination der verschiedenen Verkehre braucht es Verkehrszeichen und Ampeln. Diese Signalgeber werden an die Maste montiert und – im Falle der Ampeln – sowohl an die Stromversorgung als auch die zentrale Steuerung angeschlossen. Die Lichtsignale für die Straßenbahnen sind in diesen Ampelpaketen enthalten – wenn es dann soweit ist, die Bahnen also tatsächlich über die Gleise rollen und den Regelbetrieb aufnehmen, muss nur noch jemand auf den Startknopf drücken und alles blinkt, leuchtet und wird geregelt. Wollte man das erst einrichten, wenn es gebraucht wird, kämen sich Baustellenfahrzeuge, Strommasten und Verkehrsteilnehmende womöglich ins Gehege.

Gleiches gilt für die Beleuchtung: Das Ausbaugewerk ist integriert, soll heißen, die Masten stehen, die Leuchtstoffe sind angebracht und die neuen Lampen erstrahlen schon. Der Sicherheitsaspekt obliegt in diesem Fall der Stadt und somit außerhalb der Straßenbahnzuständigkeit.

Ausgestattet und -gerüstet werden in dieser Phase auch die Haltepunkte: Die Unterstände werden errichtet, die Mülleimer aufgestellt, Geländer sowie Informationstafeln und -anzeigen montiert. Da kann man dann, sobald die Anlage frei zugängig ist, gleich schon mal probestehen, wenn man möchte.

Nun noch die Fahrleitungsarbeiten: Wenn ein durchgängiges Gleis vorhanden ist, werden die erforderlichen Fahrleitungsmaste gesetzt und die Oberleitungen (jene Leitungen, welche die Bahn mit Spannung versorgen) montiert. Ist alles bereit, kann schließlich die Fahrleitungsanlage, also das Drumherum für die Oberleitungen, angeschlossen werden. Wo es noch Lücken in der Strecke gibt, werden selbige natürlich erst geschlossen, wenn auch die Gleisenden miteinander verbunden sind. Vorher würden die Masten im Baufeld nur stören und, viel entscheidender, die Oberleitungen auf etwa 5 m Höhe über den Schienen für alle Arbeiten unterhalb

(Bagger, LKW-Muldenkipper und ähnliche Fahrzeuge) eine Gefahrenquelle darstellen. Drum werden die Leitungen erst ganz zuletzt montiert, wenn wirklich alle und alles unterhalb erledigt ist. Am Ende beläuft sich die gesamte Länge der Fahrleitungsanlage auf mehr als 3,7 km.

Illustration einer Haltestelle. Zwei Personen mit Warnjacken malen weiße Markierungen auf den Bahnsteig. Eine dritte Person mit Warnjacke steht neben drei kleinen Bäumen.

Grün und andere Farben – Last but not least

Bleiben noch die Markierungen: Die Fahrbahnmarkierungen (auch Straßen- bzw. Bodenmarkierungen genannt) leiten als auf dem Boden applizierte Verkehrszeichen den Verkehr. Sie gehören also zur Straßenausstattung und werden im Zuge des Straßenbaus aufgebracht. Das passiert entweder über ein Spritzverfahren, Aufkleben oder Aufrollen, Verstreichen, mithilfe des Extrusionsverfahrens (mit Druck aufgebrachte Masse) oder dem Ziehschuh (eine Art Gießform). Die Markierungen (Applikation) können je nach verwendetem Material reflektieren oder eine haptische bzw. akustische Warnwirkung erhalten. Fahrbahnmarkierungen tragen so zur Verkehrssicherheit bei, sagen mir, wo ich vor Ampeln oder an Überwegen halten soll, und bieten Orientierung – insbesondere bei Dunkelheit oder schlechter Sicht.

Fehlt nur noch: das Straßenbegleitgrün. Diese »Begleitung« ist nicht weniger wichtig als die bereits genannten verkehrsführenden Maßnahmen. Neben der Sicherheit (Blendschutz, optische Verkehrsführung) ist jeder Baum, jeder Strauch und jede Grünfläche ein Lebensraum für Tiere, trägt zur Verbesserung des Klimas bei und sorgt für Lärmreduzierung. Nicht zuletzt bedeutet die Bepflanzung am Straßenrand Sichtschutz für die Anwohner:innen. Weil das Setzen von Bäumen und Sträuchern sowie weiterer Ausgleichsmaßnahmen selbstverständlich erst Sinn ergeben, wenn die Straße fertig ist, erfolgen diese Arbeiten zum Schluss. 

Jetzt aber. Gleich! – Geht’s denn noch weiter?

Gleise verlegt, Straßen bereit, Haltepunkte ausgestattet, alles beleuchtet und angeschlossen. Jetzt also: Fertig? Nun, ein allerletztes kleines feines Detail verbleibt noch, bevor schließlich und endlich Fahrgäste an den Haltepunkten ein- und aussteigen dürfen: die Inbetriebnahme. Was nach »Wir drücken flux auf START.« klingt, erfordert noch ein ganz klein wenig mehr zur sicheren Freigabe.