Der Leitungsbau

 

Durchschneiden, zur Seite schieben, Gleise rein, fertig – Wie kompliziert ist der Leitungsbau?

Im Grunde ist das mit dem Bau der Straßenbahn ganz einfach: Man stelle sich die Straße als eine Art Kastenbrot vor (oder einen Bienenstich, wenn Sie es lieber süß mögen), schneide dieses exakt in der Mitte einmal längs durch, schiebe die beiden Hälften auseinander und setze in die entstandene Lücke die Gleisanlage – sozusagen die Füllung. Fertig. Genauso funktioniert das – sieht man von den technischen Details, genauer gesagt den vielen unter der Oberfläche verlaufenden Versorgungsleitungen mal ab. Die nämlich machen die ganze Sache leider dann doch etwas komplizierter und zeitaufwendiger als die Geschichte mit dem Kastenbrot.

Das Wichtigste ist unsichtbar – Warum verlegen wir die Leitungen? 

Unter der Oberfläche der Fahrbahn und den sogenannten Nebenanlagen, also den Radwegen, Bürgersteigen und Grünstreifen, verlaufen jene Leitungen, die uns mit allem Wichtigen im Haus versorgen. Hier kommt das Leitungswasser durch, Gas für Heizung und Herd, der Strom sowie die Fernmeldeleitungen, die uns über Telefon und Internet mit der Welt verbinden. All diese Leitungen sind neben der Fahrbahn verlegt. Rückt die Straße also näher an den Rand, weil die Gleisanlage in der Mitte Platz finden soll, müssen folglich auch Rad- und Fußweg ausweichen. Bis zu fünf Meter sind dafür notwendig – Platz, der an manchen Stellen durch zusätzliche Flächen ergänzt werden muss, in dem Freiflächen erworben oder Pachtverträge aufgehoben werden. 


Und wieso belassen wir die Versorgungsleitungen nicht einfach dort, wo sie jetzt sind? Ob über sie hinweg Fußgänger spazieren oder ein Auto fährt, ist doch den Leitungen egal, oder? Lässt sich also nicht einfach nur die Oberfläche neu gestalten? Im Prinzip natürlich schon, organisatorisch leider nicht. Denn sollte aus irgendeinem Grund der Zugriff auf die Versorgungsleitungen notwendig werden – weil beispielsweise ein Rohr gebrochen, ein Fernmeldekabel defekt oder der Kanal verstopft ist –, müsste bei einem Verbleib der Leitungen am aktuellen Ort die dann darüber verlaufende Fahrbahn gesperrt, der komplette Verkehr also umgeleitet werden. Und wenn die Leitungen unter die Schienen verlegt würden? An dieser Stelle gräbt man die Straße für den Gleisbau doch sowieso auf? Das wäre leider noch ungünstiger. Denn lägen Fremdleitungen unter der Gleisanlage, stünde bei notwendigen Arbeiten der Schienenverkehr still. Ein Umleiten der Bahnen ist nicht möglich.

Der Start vor dem Anfang – Warum beginnen wir so lange bevor es richtig losgeht? 

Die Verlegung der Leitungen unter den Verkehrswegen und Nebenanlagen wird zum einen geduldet und zum anderen durch Konzessionsverträge geregelt. Die Verantwortung für die Versorgungsleitungen wiederum liegt bei den Versorgungsunternehmen. Für Strom, Gas, Wasser und Wärme ist die wesernetz Bremen GmbH, ein Unternehmen von swb, verantwortlich. Sie ist zuständig für die Wartung der Leitungen und trägt somit Sorge für die Sicherstellung einer reibungslosen Lieferung. Die Aufsicht über die Kommunikationsleitungen obliegt den verschiedenen Anbietern, der Telekom, vodafone, EWE, um nur ein paar zu nennen. Sie alle organisieren die Verlegung ihrer zu verantwortenden Zulieferungsleitung. Damit aber nicht alle einzeln buddeln, übernimmt ein Bauunternehmen die Arbeiten. 

Ist die Versorgungsleitung freigelegt, stehen die Zuständigen natürlich nicht alle am Baugrubenrand und besprechen, was wann wie notwendig ist und umgesetzt werden kann. Und natürlich erwartet sie auch nicht jedes Mal eine große Überraschung. Denn alle Unternehmen wissen ganz genau, was sie in der Erde verlegt haben und welche Maßnahmen für die geplante Verlegung ergriffen werden müssen. Und sie wissen aus Erfahrung auch, wie lange es etwa dauert, bis die Maßnahmen abgeschlossen sind. Konkreter Start für die Leitungsverlegung in Huchting ist Februar 2021 – je nach Wetterlage. Das planerische Ziel lautet: Die Verlegung der Versorgungsleitungen soll vor Beginn der Hauptbaumaßnahmen abgeschlossen sein.

Prüfen, erneuern, versetzen – Was bedeutet das für Sie als Anwohner:in im Stadtteil Huchting? 

Prüfen, erneuern, versetzen – Was bedeutet das für Sie als Anwohner:in im Stadtteil Huchting? Strom, Gas, Wasser, Wärme, Telekommunikation und Co. – bei der Verschiebung müssen viele Anschlussleitungen neu erstellt werden. Das braucht Zeit. Denn jedes Haus, jede Immobilie entlang der Baustrecke verfügt über einen eigenen Versorgungsanschluss – klar. Und wenn schon mal alles freigelegt und in die Hand genommen wird, werden alle Leitungen eingehend geprüft. Zu finden gibt es die verschiedensten Dinge, unerwünschte Bestandteile genauso wie klitzekleine Löcher. Sind Leitungen porös oder das verwendete Material nicht mehr zeitgemäß, werden die Leitungsstücke ersetzt. Für die nachfolgende Erstellung der Gleisanlagen ist zudem eine Baufreiheit, also ausreichend Platz erforderlich – auch nach unten. 

Bis zu einem Meter tief muss gegraben werden, um die Gleisanlage und die zugehörige Infrastruktur herzustellen. Bevor wir damit starten, müssen also die Versorgungsleitungen nicht nur verlegt, sondern Strom, Gas, Wasser, Wärme und Telekommunikation auch umgestellt und wieder funktionsfähig sein – denn wer wohnt schon gerne über Wochen ohne Licht und Internet. Ist das alles erledigt, schließen wir die Löcher in den Fuß- und Radwegen nicht nur so schnell als möglich wieder, wir stellen vor allem auch eine barrierefreie Nutzung sicher.

Die Versorgung ist garantiert – Und wie geht es jetzt weiter?

Der Strom fließt, das Wasser läuft und die Internetverbindung steht – die wichtigsten Vorbereitungen für den Bau der Straßenbahn sind fast abgeschlossen. Nach der Verlegung der Versorgungsleitungen wenden wir uns im nächsten Schritt den Entsorgungsleitungen zu. Straßenentwässerung und Abwasser – der Kanalbau startet im Anschluss an den Leitungsbau.

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