Überführungsbauwerk

Warum wird eine Brücke gebaut?

Solange sich höchstens mal Straßenführung und Gleisverlauf im allgemeinen Stadtgewimmel kreuzen oder sich die Bahntrasse entspannt durch die Landschaft schlängelt, ist kein größerer Aufwand erforderlich, um die beiden Verkehrsflüsse nebeneinander laufen zu lassen. Anders sieht es aus, wenn die Straße breiter und der Verkehrsfluss dichter und stetiger ist. Wie es beispielsweise auf einer Bundesstraße der Fall ist. Mit dem Ausbau der Bahnstrecke wird im Bereich des Bahnhofs Erichshof die Querung der B6 notwendig. In diesem Bereich liegen die Gleise zurzeit innerhalb der Straße und Signale regeln den Verkehr. Das funktioniert prima. Bliebe die Streckenführung allerdings wie sie ist, würde der Straßenverkehr durch das Passieren der Linie 8 zukünftig sechs Mal in der Stunde unterbrochen. Um das zu umgehen, wird eine Querung ohne Unterbrechung möglich gemacht. Das lässt sich durch das Graben eines Tunnels realisieren, mit einem Trogbauwerk also, – oder den Bau einer Brücke, ein sogenanntes Überführungsbauwerk. Eine Brücke ist nicht mal eben so dahingebaut. Zunächst wird die Umgebung vorbereitet, dann werden die Gleise, die bisher über die Straße »Kalberkamp« verliefen, über die neue Brücke geführt. Klingt eigentlich nicht so kompliziert: Die B6 bleibt, wo sie ist, die Bahnstrecke im Grunde auch, nur dass sie eben auf der einen Seite hoch und auf der anderen wieder runter muss. Aufschneiden, Anheben, Brücke dazwischen – fertig? Leider gestaltet sich die Umsetzung nicht ganz so schlicht.

 

Die hohe Kunst der Überquerung – Wie kommt die Brücke über die Straße?

Schauen wir mal auf die Zahlen: Zunächst darf die kleinste lichte Höhe, die Durchfahrtshöhe also, nicht weniger als 4,70 m betragen, denn schließlich sollen neben den Pkw auch alle auf der Bundesstraße fahrenden Lkw unten durch passen. Um diese Höhe zu erreichen, sind Rampen und Stützwände von bis zu 5,80 m Höhe notwendig. Macht zusammen 94 m Länge und eine herausragenden Ansichtsfläche von etwa 490 qm. Kleines bautechnisches Detail: Diese Stahlspundwände werden zu Zweidritteln in den Baugrund »vibriert«, nicht gerammt – das macht die Sache ein bisschen einfacher und auch akustisch erträglicher. Damit haben wir immerhin die Voraussetzung für die direkte Querung über die B6 schon mal geschaffen. Oben sind wir allerdings noch lange nicht. Um nämlich die Bahn auf etwa 5,00 m Höhe zu bringen, braucht es ein bisschen Anlauf. Und runter muss sie natürlich auch wieder. Macht in Summe 500 m Brücke inklusive Rampen bei einem Steigungswinkel von bis zu 39 %. Parallel zum Bahnhof Erichshof wird außerdem eine neue Gemeindestraße entstehen. Diese wird den Kalberkamp mit der Syker Straße verbinden, da die erforderliche Durchfahrtshöhe an dieser Stelle nicht mehr gegeben sein wird. Um diese Umgehung realisieren zu können, werden im Vorfeld entsprechende Flächen hinzugekauft. Diese Maßnahmen sind aufwendig und kosten Zeit. Die gute Nachricht: Die B6 wird deswegen aber nicht gesperrt werden. Denn die vorbereitenden Maßnahmen – das Aufschütten des Walls für die Rampen, das Einsetzen der Stahlspundwände und der Gleisbau – können »im Schatten«, wie es so schön heißt, erfolgen. Also neben der Bundesstraße, während diese weiterhin befahrbar bleibt. Lediglich für das Einsetzen des letzten Stücks – und hier können wir nun doch unser Kuchenbild aus dem Tief- und Gleisbau bemühen – wird die B6 kurzzeitig gesperrt. Allerdings dauert das Hineinschieben oder -heben der Brücke voraussichtlich maximal ein Wochenende. Auch dieses Brückenstück wird abseitig hergestellt – alles andere wäre zu gefährlich. Ist die Lücke geschlossen, steht dem Verkehrsfluss der Bundesstraße nichts im Wege. Und die Linie 8 kann bald mit beflügelndem Schwung die B6 queren.