
Wurzelsuchschachtung –
Suchen, um zu schützen
Mit den Bäumen ist es ein bisschen wie mit den Eisbergen: Ein großer Teil ist unsichtbar. Im Falle der Bäume sind es die Wurzeln, die sich so weit ausdehen können wie die Baumkrone breit ist, plus in etwa 1,50 m. Wie weit das unterirdische Geäst tatsächlich reicht, hängt von der Beschaffenheit des Bodens, der Baumart und anderen Gegebenheiten ab.
Bei baulichen Maßnahmen, zum Beispiel einer Gleisanlage, reicht es also nicht, vom Stamm aus Richtung Baustelle zu schauen. Vielmehr muss auch und insbesondere der Wurzelraum unter dem Baum in den Blick genommen werden. Schließlich sind es diese kraftvollen Stränge, die den Baum mit Wasser und Nährstoffen versorgen, und ihn außerdem an Ort und Stelle sowie in der Senkrechten halten.
Wurzel ist dabei nicht gleich Wurzel. Wie unser Adersystem auch, haben Bäume Haupt- und Nebenadern. Um also die Folgen einer ggf. erforderlichen Wurzelkappung einschätzen zu können, ist ein detaillierter Überblick über das erdbedeckte System notwendig. Damit alle Wurzeln aber überhaupt lokalisiert und identifiziert werden können, müssen sie zunächst freigelegt werden – und zwar so schonend als möglich. Glücklicherweise muss nicht die gesamte Oberfläche per Hand abgetragen werden.
Saugen statt graben – Wie funktioniert eine Wurzelsuchschachtung?
Um einem Baum unter den Stamm zu gucken, kommt ein sogenannter Saugbagger zum Einsatz. Dieses etwa müllabfuhrgroße Gerät funktioniert denkbar einfach: Vorbereitend wird zunächst im vermuteten Wurzelbereich vorsichtig ein schmaler Graben ausgehoben. Dann werden wie mit einem Staubsauger Erde und Steine durch ein Rohr aufgesogen. Die Wurzeln werden so schnell und vor allem schonend freigelegt. Lässt sich das Erdreich nicht vollständig wegsaugen, kann eine Druckluftlanze weiterhelfen. Mit ihr lassen sich die Wurzeln zusätzlich freipusten. Zum Schutz vor Austrocknung werden freigelegte Wurzeln abgedeckt und ggf. ein Wurzelschutzgel aufgetragen. Die Tiefe der Freilegung richtet sich nach – na, klar – der Tiefe der geplanten Baumaßnahme. Allerdings nicht unbegrenzt: Tiefer als 1,20 m wird in der Regel nicht gesucht. Für die Begutachtung und Bewertung ist das völlig ausreichend.
Vorgefundene Wurzeln sowie deren Verlauf werden dokumentiert. Auf dieser Basis lassen sich notwendige Maßnahmen entscheiden. Müssen Wurzeln gekappt werden, können Behandlungen z.B. zum Schutz vor Krankheiten, ein Wurzelvorhang zur Verhinderung der erneuten Ausbreitung oder das Anregen des Wachstums folgen. Kann das Überleben und damit die Stabilität des Baumes infolge des Eingriffes hingegen nicht gewährleistet werden, weil z.B. eine Starkwurzel oder ein Großteil des Wurzelgeflechtes entfernt werden muss, ist eine Fällung erforderlich.
Wurzelsuchgrabungen sind somit zwar eine zeitintensive Maßnahme, sie stellen jedoch sicher, dass jeder einzelne Baum genauestens untersucht werden kann. Und damit im Rahmen einer Baumaßnahme so viele Bäume wie möglich erhalten werden können.








