Bahnhöfe & Haltepunkte

Was ist eigentlich der Unterschied?

Entlang des neuen Streckenabschnitts der Linie 8 entstehen siebzehn Möglichkeiten des Ein- und Aussteigens. Genauer gesagt: Zwischen dem letzten gemeinsamen Haltepunkt der Linien 1 und 8 »Auf den Kahlken« und der Wendeschleife »Am weißen Moor« werden vier Bahnhöfe und dreizehn Haltepunkte eingerichtet. Ob Bahnhof oder Haltepunkt, große qualitative Unterschiede verbergen sich hinter dieser Klassifizierung nicht. Die grundlegenden Voraussetzungen sind vielmehr die gleichen: Fahrkarten können an einem Automaten erworben werden, eine Anzeigetafel informiert über die Abfahrtszeiten und ein Schild markiert den Standort. Die Gestaltung der Beschilderung allerdings unterschiedet sich, denn die Haltepunkte innerhalb der Bremer Landesgrenzen heißen Haltestellen und unterliegen der Betriebsordnung der Straßenbahn, jene an der BTE-Trasse in Bremen und Niedersachsen der Eisenbahnbetriebsordnung. Einen technischen Unterschied zwischen einem Haltepunkt und einem Bahnhof gibt es aber. Während ein Haltepunkt lediglich von einem Bahngleis passiert wird, verlaufen an einem Bahnhof zwei (oder mehr) Gleisstrecken. Bahnen können hier also ausweichen und aneinander vorbeifahren. Gäbe es diese zweigleisige Möglichkeit nicht, könnte lediglich eine Bahn auf der Strecke hin- und herpendeln.

Anschluss an Vergangenes – Welche Geschichten erzählen die Bahnhöfe?

Im Gegensatz zu den neu entstehenden Haltepunkten blicken die Bahnhofsgebäude auf eine lange Geschichte zurück. So bedeutete der Bahnhof Moordeich zu Beginn des 20. Jahrhunderts nicht nur für die Harries-Mühle einen wichtigen Anbindungspunkt ins Umland. Bereits 1908 wurde der Bahnhof Brinkum erbaut; er gehörte damals zu den großzügigsten Dorfbahnhöfen. 1910 startete hier die Post- und Personenbeförderung. In der Streckenplanung erhält die Bahnhofsstraße einen Haltepunkt in unmittelbarer Nähe. Zur Strecke der damaligen Kleinbahn zwischen der Bremer Neustadt und Thedinghausen gehörte auch der Bahnhof Erichshof. Im Jahr 1910 wurde die Strecke der Kleinbahn außerdem bis zum Bahnhof Leeste verlängert. Hier entstanden neben einem Empfangsgebäude ein Lok- und Triebwagenschuppen für die Kleinbahn. Die umtriebigen Zeiten sind vorbei; heute stehen lediglich Museumsfahrzeuge im Lokschuppen. Am Bahnhof Stuhr erinnert eine Gedenktafel an Gräuel der Vergangenheit; weibliche Häftlinge wurden 1944|1945 aus dem KZAußenlager Obernheide von hier nach Bremen zur Zwangsarbeit transportiert. Auch das gehört zur Geschichte dieser Bahnhöfe. Mit dem Ausbau der Bahnstrecke gewinnen die Bahnhöfe ihre verbindende Funktion zurück und werden wieder zu Orten der Begegnung. Im historischen Gebäude des Bahnhofs Brinkum beispielsweise betreibt das Netzwerk psychosozialer Hilfen »Release« ein Café – ein offener Ort, an dem es sich zukünftig bequem auf den nächsten Anschluss warten lässt.